botanicolor

die ethnobotanik
der farben und fasern

von leuchtendgruen.net


Pflanzenfarben

Faserpflanzen

Pflanzenfasern
Fasergewinnung
Baumwolle
Baumwollpflanzen
Flachs
Hanf
Sisal
Ramie
Piña & Abaca



Sources - Quellen
Flachs

Vom Altertum bis zum Ende des 18. Jahrhunderts war Leinen das bedeutenste Gewebe aus pflanzlichen Fasern in Westlichem Zivilization. Archäologische Samenfunde im Iran und in der Südosttürkei zeigen, dass der Wildlein (Linum bienne) schon vor 9000 Jahren kultiviert wurde. Lebende und Verstorbene in Ägypten waren jahrtausende lang in Leinentuch gewickelt. Viele Hiroglyphen erzählen vom Flachs, Spinnen und vom Weben.



Pfahlbausiedler an schweizerischen Seen begannen mit dem Flachsanbau um 4000 Jahre vor der Zeitrechnung. Erstaunlich ist, dass der Mensch so früh in seiner Geschichte diese Arbeit verrichten konnte, obwohl Leinenanbau und -produktion keine leichten Verfahren sind. Während des Mittelalters und der Neuzeit in Europa blieb Leinen ein wichtiges landwirtschaftliches Produkt. Sein vielfältiger Gebrauch wurde erst im 19. Jahrhundert von der Baumwolle übernommen.



Flachs wächst bis zu 120cm hoch. Die kurzen Leinfasern sind in den Stengeln Ende an Ende durch Pektin zu 60-90cm langen Bündeln geklebt. Sie sind äusserst reissfest, aber nur gering dehnbar. Für feinstes Material wird die grüne verblüte Pflanze geerntet. Für starke Fasern und gröbere Stoffe wird sie im goldenen, mittelreifen Stadium genommen. Die Ernte von völlig ausgetrockenetem Lein ergibt harte Fasern, welche sich nur zur Säcken und Seilen verarbieten lassen. Die extrem parallele Anordnung der inneren Struktur der Faser führt auch zu der typischen Knitterung in einem Leinenstoff.

Linenfaser


Im Sinne ökologischer Landwirtschaft in Europa wird der Leinenanbau wieder gefördert. Bei der Wiederentdeckung der alten Feldfrucht sind viele Probleme aufgetreten. Innerhalb einer Generation ist das Wissen über diese Kultur in manchen Ländern verloren gegangen. Flachs wird von Unkraut leicht bedrängt und ist anfällig für Schädlinge und Krankheiten. Ausserdem benötigt er viele, leicht verfügbare Nährstoffe und eine Fruchtfolge von sieben Jahren ist ratsam. Schwankungen in der Faserqualität, sowie das Bezahlungssystem machen den Anbau für den Bauern zu einem Risiko. Trotz seiner hohen Ansprüche und minderwertigen Erträge gibt es in einigen europäischen Ländern Bestrebungen, den Lein auf regionaler Ebene wieder vermehrt anzupflanzen, wobei der ökologische Anbau einen hohen Stellenwert einnimmt.

Linum ussisatissimum

Linum usitatissimum L.
Linaceae
Flachs

Linum usitatissimum ist nur aus Kultur bekannt, steht aber der Wildpflanze Linum bienne genetisch sehr nahe. Das Verbreitungsgebiet der zweijährigen Urform des Flachs reicht von Europa über das Mittelmeergebiet bis Zentralasien. Er wurde an verschiedenen Orten domestiziert, sodass heute mehrere lokale Unterarten von Linum usitatissimum anerkannt werden. Der einjährige Kulturlein wird bis zu 1,2m hoch und gedeiht gut in gemässigtem Klima mit ausreichenden Niederschlägen. Die aus den Stengeln gewonnen Fasern werden meist gesponnenen und zu Leinentuch gewebt, finden aber auch in der Papiermanufaktur Einsatz. Hauptanbaugebiete des Faserleins sind in China, Ägypten, Frankreich Osteuropa und den GUS.

Saat- oder Öllein
Ebenfals L. usitatissimum, ist der Saatlein durch Selektion für grosse Samen entstanden. Die Pflanzen bleiben meist kleiner und brauchen wärmeres Klima, damit die grösseren Samenkapseln ausreifen können. In Indien, Argentinien, in den USA und erstaunlicherweise In Kanada findet man den meisten Saatleinanbau.