botanicolor

die ethnobotanik
der farben und fasern

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Faserpflanzen

Pflanzenfarben

Geschichte des Färbens
Indigo Blau
Indigoextraktion
Indigopflanzen
Indigofärben
Gelbfärben
Gelblieferanten
Rotfärben
rote Wurzeln
rote Insekten
Grünfärben
börkenbraun
Schwarzfärben
Soda & amp; Seife
Alaun, Eisen, Dung

Sources - Quellen
Färben mit pflanzlichen Stoffen wurde Hand in Hand mit der Keramikkunst und der Metallurgie mit den frühesten Bewegungen der Zivilisationen entwickelt.

Die meisten primitiven Kulturen besassen die eine oder die andere Form der Textildekoration mit pflanzlichen und mineralischen Resourcen aus ihrer Umwelt. Einfache Urformen des Gerbens und Färbens wurden zu raffinierten Künsten entwickelt, welche tausende von Jahren der Experimentation wiederspiegeln und ein reiches Kulturerbe sind. Nach einem guten Jahrhundert des wissenschaftlichen Fortschritts ist der Ersatz von traditionellen Farbstoffen durch synthetische Färbemittel fast allgegenwertig. Manche der Färbetechniken der alten Welt existieren heute noch in abgelegenen Dörfern, aber viele dieser alten Naturwissenschaften laufen Gefahr verloren zu gehen.


In China existierten sogar vor dem Neolithikum hoch entwickelte Textilindustrien. Pflanzengefärbte Stoffe und Schriften über das Färben und die Textilproduktion datieren auf 3300 Jahre vor der Zeitrechnung. Es wird angenommen, dass alte chinesische Technologien bis Indien und bis nach Südostasien reisten, wo das Textilfärben auch Ursprünge hatte. Die Fülle einer grossen Auswahl an Rohmineralien und Farbstoffen auf dem indischen Subkontinent und die wissbegierige, hochmotivierte Kultur beeinflussten die Entwicklung einer sehr fortschrittlichen Färbetechnologie. Neuerungen im Druck, Design und beim Färben verbreiteten sich rasch von Indien westwärts.



Zeugnisse mesopotamischer Zivilisationen, mit Keilschrift gravierte Tontafeln aus der Zeit von 2700 bis 100 vor der Zeitrechnung, beschreiben sehr detailliert die Textilproduktion und -kunst. Der Gebrauch von Mineralsalzen als Fixiermittel und die komplexen Indigofärbeverfahren waren wohl bekannt. Über 5000 Jahre alte mit Indigo und Krapp gefärbte Stoffstücke wurden in ägyptischen Gräbern gefunden. Der Einsatz von Waid als blauer Farbstoff dehnte sich in Ägypten 1000 Jahre vor der Römerzeit aus. Komplizierte ägyptische Drucktechniken mit unterschiedlichen Beizmitteln und Krapp, welche mehrfarbige Muster ermöglichten, werden direkt von Plinius berichtet.


Die Entdeckung und Experimentation mit Naturfarben fand nicht nur im Fernen Osten statt. Archäologische Ausgrabungen in Österreich, Italien und der Schweiz zeugen ebenfalls von frühen europäischen Ursprüngen. Sie offenbarten Samen von kultiviertem Lein, Reseda luteola und anderen einheimischen Färberpflanzen, ausserdem Reste von Leinenstoff, gewebt in vielen Farben, aus der Zeit um 3400 bis 2800 vor der Zeitrechnung. Spektakuläre Gräberfunde in Skandinavien mit einem Alter von 2800 Jahren enthüllten den weitverbreiteten Gebrauch von heimischen Pflanzen zum Färben, darunter befand sich Isatis, aber auch Krapp, welcher durch den Handel aus dem Mittelmeergebiet nach Norden gelangt sein musste.

In Amerika wurden einige der ältesten (zwischen 4000 und 5000 Jahre alt) gefärbten Textilien in den extrem trockenen Hochland-Wüsten in Peru und Chile gefunden. Sie waren mit Federn, Menschenhaaren, Alpaca-Wolle und Baumwolle gewebt und geknotet. Die vielfarbigen Designs wurden mit Indigo, Koschenille und Rötegewächsen gestaltet. Dazu gehört das älteste noch existierende Beispiel für das Ikat-Reserve-Färben, nämlich das eines ca. 4000 Jahre alten Ponchos. Während die alten Zivilisationen Amerikas scheinbar technisch nicht so fortgeschritten waren wie die des Fernen Ostens, besassen sie doch hoch entwickelte künstlerische Talente, zu denen unter anderem das Weben von Mustern und das Färben gehörte. Viele Färbetechniken, z.B. der Gebrauch von mineralischen Fixiermitteln, das Abtönen der Farben mit Säuren und Laugen und Indigofärben waren dieselben wie in Asien und wurden unabhängig von den frühen Amerikanern entwickelt, lange vor der Eroberung durch die Europäer.

Amaranthus cruentus, eine der
traditionellen Rotfarben der Hopi-Indianer